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Kerstin Gruber ist Sexualpädagogin bei Jugend am Werk Steiermark © Miriam Raneburger

Schluss mit den Klischees

Mit einer internen Anlaufstelle und einem neuen sexualpädagogischen Konzept für Wohngemeinschaften, geht es bei Jugend am Werk Steiermark Tabuthemen an den Kragen. Statt Klischees und sexueller Mythen gibt es umfassende Information und Unterstützung. 

Wenn Kerstin Gruber mit ihrem Sex(ualpädagogischen)-Mobil an einen Jugend am Werk-Standort fährt, wird mit falschen Vorstellungen aufgeräumt. „Sexualität ist ein wichtiger Aspekt des menschlichen Seins und eng mit den psychosozialen Grundbedürfnissen Zugehörigkeit, Nähe und Liebe verbunden – trotzdem herrscht gerade in diesem Bereich großes Unwissen“, so die Sexualpädagogin. „Ich bekomme immer noch häufig die Frage, ob Sex so ablaufen muss wie in Pornos. Trotz der Informationsflut durch das Internet bleiben viele sexuelle Mythen und Tabus bestehen.“ 

Kerstin Gruber ist als Sexualpädagogin bei Jugend am Werk. Mit einer eigenen Stelle in diesem Bereich nimmt das Unternehmen eine Vorreiterrolle in der Sozialbranche ein. Gruber dient nicht nur als interne Ansprechperson für Fragen, sondern vernetzt sich auch in der Fachwelt und hält Workshops an verschiedenen Standorten. Ihre Zielgruppe sind Jugendliche, die in Wohngemeinschaften begleitet werden, genauso wie Menschen mit Behinderung.

Die große Sprachlosigkeit 

Oft fehlt es im alltäglichen Umgang an einem professionellen Zugang zu Sexualität, sexualisierter Gewalt und Gesundheit. Gruber betont: „In Sachen Sexualität herrscht eine Sprachlosigkeit vor, die wir gerade in sozialen Berufen unbedingt überwinden müssen, um Menschen gut beraten und begleiten zu können.“ Die Werkzeuge und Qualitätskriterien dafür schon längst: Etwa die Standards für Sexualaufklärung in Europa, die auch Jugend am Werk als Leitfaden dienen. „Jeder Mensch hat außerdem sexuelle und reproduktive Grundrechte, die auf den allgemeinen Menschenrechten basieren – dazu gehören das Recht auf sexuelle Freiheit und das Recht auf umfassende Sexualerziehung. Viele wissen aber gar nicht, dass ihnen diese Informationen zustehen“, erklärt Gruber.

Sachliche Information in allen steirischen Regionen 

Um den Anforderungen gerecht zu werden, hat Jugend am Werk eine eigene Sexualpädagogin, die als interne Ansprechperson und Draht in die Fachwelt fungiert. „Unsere Zielgruppe sind Jugendliche, die in Wohngemeinschaften begleitet werden, aber auch Menschen mit Behinderung. Denn Informationen – etwa über sexuelle Gesundheit – stehen allen zu. Das ist ein wichtiger Aspekt von Inklusion und Teilhabe", erklärt Geschäftsführerin Sandra Schimmler. 

Jugend am Werk bietet dafür nicht nur interne Workshops an, sondern hat auch ein Sexualpädagogisches Konzept veröffentlicht, das an Jugendliche in Wohngemeinschaften ausgegeben wird. „In dieser Broschüre gehen wir auf sexuelle Grundrechte ein, aber auch auf das Thema sexuelle Gewalt. Die eigenen Grenzen und die des Gegenübers zu kennen und auszuloten, ist ein wichtiger Lernprozess für Jugendliche, den wir begleiten“, so Jugend am Werk-Geschäftsführerin Sandra Schimmler.