Jugend am Werk Steiermark begleitet steiermarkweit Menschen mit Behinderung in der Tagesbegleitung und Förderung. Im Mittelpunkt stehen dabei eine sinnvolle Tagesstruktur, Selbstbestimmung und soziale Teilhabe. Wie das gehen kann, zeigt sich zum Beispiel bei Kordula H. und Dominik R.
Alles begann mit falscher Mülltrennung: Kordula H. ist Kund*in bei Arbeit und Beschäftigung Graz-Ost und interessiert sich für Klimaschutz. Irgendwann wies sie darauf hin, dass sich nicht alle im Haus an die richtige Mülltrennung halten. „Papier gehört nicht in den Plastikmüll“, beschreibt sie. Dagegen wollte sie etwas unternehmen und ihr Wissen teilen.
„Uns ist es wichtig, unsere Kund*innen personenzentriert zu begleiten. Dabei orientieren wir uns stets an ihren Ressourcen und Stärken. Im Fall von Kordula war schnell klar, dass sie sich dem Klimaschutz verschrieben hat. Sie hat sich ständig in den Medien informiert und viel darüber gesprochen“, beschreibt Daniela Pichler, die als Bezugsbegleiterin am Standort arbeitet. Aus diesen Gesprächen entstand zunächst ein Workshop zur richtigen Mülltrennung für die Kund*innen bei Arbeit und Beschäftigung Graz-Ost.
Mülltonne Toni und Abfallschreck Krawallo
„Bald darauf haben wir von der inklusiven Klimaschutzakademie erfahren. Kordula war interessiert, aber sich nicht sicher, ob sie das schafft”, erzählt Pichler weiter. Eine Vertreterin der Akademie kam daraufhin in die Tageswerkstatt. „Sie war ganz überrascht, wie viel ich schon weiß”, beschreibt Kordula. Mit der richtigen Begleitung konnte sie sich die Ausbildung zum Klimaschutzcoach vorstellen.
Ihre selbst erstellten Workshopmaterialien testete Kordula im Peer-to-Peer-Prinzip mit den anderen Kund*innen am Standort und hielt dann mehrere Workshops in Volksschulen und Nachbarschaftszentren. Immer mit dabei: Ihre selbst gestalteten Maskottchen „Mülltonne Toni” und „Abfallschreck Krawallo”, die den Teilnehmer*innen das Thema verständlich vermitteln sollen. Es sei schön zu sehen, wie gut diese Maskottchen ankommen, beschreibt Kordula. „Die Teilnehmer*innen machen immer begeistert mit. Das gefällt mir am besten.”
Selbstbestimmung stärken
Die bestandene Prüfung zum Klimaschutzcoach war nur noch ein formaler Meilenstein, wie ihre Bezugsbegleiterin erklärt. „Allein die Teilnahme an der Akademie und die Organisation eigener Workshops haben Kordulas Selbstbestimmung und soziale Teilhabe gestärkt – und genau darum geht es uns in der Begleitarbeit.“
Ganzheitliche Förderung
Wie wichtig es ist, genau hinzusehen und hinzuhören, zeigt auch das Beispiel von Dominik R. Er kam frisch von der Schule zu Arbeit und Beschäftigung Graz-Ost und teilte sich hier erstmal mittels Nickens, Kopfschütteln und einem freundlichen Lächeln mit. Das habe hin und wieder zu Missverständnissen geführt, lässt er durch Mimik und Gestik wissen. Und die hätten ihn wiederum verunsichert und enttäuscht.
Bald soll sich das aber ändern: Mittels Unterstützter Kommunikation konnte ein passendes Hilfsmittel für Dominik gefunden werden. Eine Augensteuerung soll es ihm ermöglichen einem Computer mit gezielten Blickbewegungen Wörter und Sätze vorzugeben, die anschließend laut ausgesprochen werden.
Kommunikation per Augensteuerung
Noch hat Dominik kein eigenes Gerät, aber er macht bereits Vorübungen. Mit Tafeln und Symbolen trainiert er Blicklenkung, Auswahl und Konzentration. Er freue sich schon auf die Augensteuerung, deutet er. Das bringe mehr Selbstvertrauen und Freude an der Interaktion.
„Unterstützte Kommunikation ist ein wichtiger Schlüssel für mehr Teilhabe und damit entscheidend für eine ganzheitliche Förderung“, sagt Bezugsbegleiterin Bianca Strohmeier. „Dominik kann so seine Bedürfnisse und Wünsche besser äußern und aktiv am sozialen Leben in der Gruppe teilnehmen. Die Kund*innen sollen in ihrem sozialen Umfeld nicht nur präsent sein, sondern es aktiv mitgestalten können. Das macht Inklusion aus.“ www.jaw.or.at
Kontakt
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