Über das Projekt re-connect unterstützt Jugend am Werk Steiermark junge Menschen beim Übergang aus der Betreuung in der Kinder- und Jugendhilfe in ein selbstständiges Leben. Eine Anlaufstelle in der Grazer Mandellstraße schafft dafür einen niederschwelligen, zentral gelegenen Raum.
(Graz, Juni 2026) Sich ein eigenes Leben aufzubauen, ist nicht einfach. Zwischen Wohnungssuche, Ausbildung, Arbeit und Alltag verlässt man sich oft auf das familiäre Sicherheitsnetz. Jede vierte Person zwischen 25 und 29 Jahren in Österreich lebt laut Statistik Austria noch bei den Eltern. Kinder und Jugendliche, die in stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe betreut werden, haben diese Option meist nicht. Mit dem 18. Geburtstag endet die Betreuung in Wohngemeinschaften, Kriseneinrichtungen oder bei Pflegeeltern fast immer. Nur in Ausnahmen kann schrittweise bis zum 21. Lebensjahr verlängert werden.
“Der Fachbegriff für junge Menschen nach der Unterbringung im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe ist Care Leaver*innen. Diese sind sehr plötzlich auf sich allein gestellt, wichtige Bezugspersonen brechen weg und die Option einer Rückkehr in die Betreuung gibt es nicht. Diese Lücke versuchen wir mit dem Projekt re-connect zu schließen: Wir wollen eine dauerhafte Unterstützungsstruktur schaffen, die steiermarkweit und trägerübergreifend wirkt“, erklärt Elke Maurer, stellvertretende Leiterin des Bereichs Kinder, Jugend und Familie bei Jugend am Werk Steiermark.
Dazu gehört die neue Anlaufstelle in der Mandellstraße 23 (8010, Graz), die als Pop-Up zwischen Juni 2026 und Anfang 2027 geöffnet sein wird.
Einfach vorbeikommen
"Die Anlaufstelle ist ein Begegnungsraum und Treffpunkt, genauso aber ein Anknüpfpunkt für das Peer-Buddy-Programm, das wir gerade aufbauen. Wichtig ist uns, dass Care Leaver*innen, die oft sehr früh auf eigenen Beinen stehen müssen und nicht selbstverständlich auf ein stabiles familiäres oder soziales Netzwerk zurückgreifen können, hier verlässliche Ansprechpersonen finden. Die Anlaufstelle soll ein Ort sein, an dem man mit konkreten Anliegen, aber auch einfach auf einen Austausch bei einem Kaffee kommen kann. Auch Themenabende sind geplant, an denen sich Care Leaver*innen untereinander kennenlernen und miteinander vernetzen können”, sagt Michael Kerschenbauer, Mitarbeiter des Projekts bei Jugend am Werk Steiermark.
Zusätzlich zur Anlaufstelle wird gerade an einer re-connect-App gearbeitet, die gebündelte Informationen zum Thema rund ums Leaving Care enthalten wird.
Partizipative Entwicklung
Die inhaltliche Ausrichtung des Projekts basiert auf einem partizipativen Prozess, wie Kerschenbauer schließt: „Das Projekt re-connect wurde gemeinsam mit der Zielgruppe entwickelt und orientiert sich an den aktuellen Lebensrealitäten und Herausforderungen von Care Leaver*innen. Gemeinsam haben wir Prioritäten definiert und die konkreten Angebotsformate entwickelt. Wir sind besonders stolz darauf, dass die Erfahrungsexpertise der Zielgruppe ein wesentlicher Bestandteil von re-connect ist und Care Leaver*innen bis heute aktiv am Projekt beteiligt sind“
re-connect wurde im Rahmen des Projekts „Leaving Care_ Weg in die Selbstständigkeit“ von Jugend am Werk Steiermark in Zusammenarbeit mit der Zielgruppe entwickelt. „Leaving Care“ wurde durch eine Innovationsförderung der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) ermöglicht. www.jaw.or.at
Aktuelle Informationen zum Projekt gibt es auf Instagram:
https://www.instagram.com/re_connect_careleaver/