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Im Gespräch ...

... mit Luitgard Wieser, Fachexpertin für Unterstütze Kommunikation


Wieser: Bei Jugend am Werk bieten wir Unterstützte Kommunikation bereits seit xy an und waren damit in der Steiermark Vorreiter. Ich persönlich beschäftigte mich sein 12 Jahren aktiv mit dem Thema. Aktuell begleiten wir rund 170 Menschen, die Bedarf an Unterstützter Kommunikation haben.

Wie kann man sich die Kommunikation mit den diversen Hilfsmitteln in der Praxis vorstellen?

Luitgard Wieser: Mit Unterstützter Kommunikation wollen wir echte Kommunikation ermöglichen, und die braucht die Beziehungsebene. Bunte Symbolbilder oder sprechende Menükarten haben per se noch nichts mit echter Kommunikation zu tun. Erst durch den richtigen Einsatz des Hilfsmittels – etwa, um beim Beispiel mit der Menükarte zu bleiben, indem jemand dadurch anderen mitteilt, welche Menüoptionen es an diesem Tag gibt - handelt es sich um Unterstützte Kommunikation.

Wundermittel ist die Unterstützte Kommunikation allerdings keines und von allein funktioniert sie auch nicht. Wie beim Erlernen einer neuen Sprache braucht es Zeit, Geduld und jede Menge Übung, um den Umgang damit zu erlernen und sie in den Alltag zu integrieren.

Ab welchem Alter kann mit dem Einsatz von Unterstützter Kommunikation begonnen werden?

Luitgard Wieser: Am besten fängt man so früh wie möglich, sobald man merkt, dass die Sprachentwicklung in irgendeiner Form verzögert ist, mit Unterstützter Kommunikation an. Entgegen den Befürchtungen so mancher Eltern belegen auch aktuelle Studien, dass der frühe Einsatz von Unterstützter Kommunikation bei Kindern die Entwicklung der Lautsprache fördert.

Und auch die Motivation sich mitzuteilen, kann durch den Einsatz individueller Kommunikationsformen erhöht werden. Bei erwachsenen Menschen, die beispielsweise 30 Jahre nie lautsprachlich kommuniziert haben, ist es eine besondere Herausforderung, in ihnen die Lust an der Kommunikation zu wecken. Wenn es gelingt, ganz gleich ob bei Jung oder Alt, ist es immer ein beglückendes Gefühl für mich, sich auf dieses gemeinsame Abenteuer einzulassen und zu entdecken, wie sie*er denkt und welche Bedürfnisse, Wünsche, Vorlieben, Sorgen und Ängste es gibt.