Fachtagung "Lost in Transition?"

Der 18. Geburtstag – der lang ersehnte, offizielle Übergang vom Jugend- zum Erwachsenenalter. Für viele Jugendliche. Aber nicht für alle. Mit 18 fallen nicht wenige junge Menschen aus dem sicheren Unterstützungsnetz der Jugendhilfe heraus und kämpfen mit existenziellen Fragen: Wie geht es jetzt mit mir weiter? Wer hilft mir, wenn ich finanzielle oder emotionale Unterstützung brauche? Wie soll ich das alles alleine schaffen?

 

Gemeinsam mit der FH Joanneum und dem Steirischen Dachverband der Offenen Jugendarbeit veranstalten wir daher die Fachtagung „Lost in Transition? – Übergänge für junge Menschen nach der Jugendhilfe schaffen“, um Antworten auf diese Fragen zu finden. Für theatrale Begleitung sorgt interACT.

 

Im Rahmen der Tagung setzen sich ExpertInnen aus Deutschland und Österreich damit auseinander, wie man fachliche Kompetenzen vereint nutzen kann, um den Benachteiligungen und sozialen Risiken für die betroffenen Jugendlichen entgegenzuwirken.

 

Wann? Mittwoch, 24. April 2019, 09:30 bis 17:30 Uhr

Wo? Steiermarkhof Graz, Ekkehard-Hauer-Straße 33

 

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Die Teilnahme an der Fachtagung ist kostenlos.

 

 

Themen der Tagung

 

Dr.in Severine ThomasKeine Zeit für Abenteuer! Herausforderungen im Übergang aus der Jugendhilfe ins Erwachsenenleben

Junge Menschen, die aus stationären Erziehungshilfen heraus ein selbstständiges Leben beginnen (sog. Care Leavers), sehen sich besonderen Übergangsbarrieren gegenüber. Die zeitlichen, ökonomischen und sozialen Ressourcen, um sich zu einer erwachsenen Persönlichkeit zu entwickeln und eigenverantwortlich im eigenen Haushalt zu leben, sind sehr knapp bemessen. Hilfen enden häufig um das 18. Lebensjahr herum – viel früher als die Unterstützung, welche junge Menschen in ihren Herkunftsfamilien erfahren. Somit sind diese jungen Erwachsenen – aufgrund ihrer biografischen Vorerfahrungen bereits besonders herausgefordert – sehr viel höheren Erwartungen an eine eigenverantwortliche Lebensführung ausgesetzt als andere Gleichaltrige. Das Leben in stationären Erziehungshilfen und die Einmündung in das Erwachsenenleben erweist sich als doppelte Benachteiligung. Gleichzeitig sind Care Leavers die durch Einrichtungen in öffentlicher Verantwortung (z.B. Heime, Pflegefamilien) betreut werden, sind in fast allen Ländern überproportional von Bildungsbenachteiligung betroffen. Sie können häufig in ihrer Bildungslaufbahn nur bedingt auf familiäre Unterstützung zurückgreifen und sind auf die öffentliche Infrastruktur und Angebote sowie informelle Unterstützung angewiesen.

In dem Vortrag wird die Situation junger Erwachsener, die in stationären Erziehungshilfen aufwachsen, dargestellt sowie Anforderungen an eine gelingende Übergangsbegleitung beschrieben. Es werden nationale und internationale Beispiele guter Übergangspraxis vorgestellt.

 

Dr.in Severine Thomas ist Mitarbeiterin an der Universität Hildesheim, Institut für Sozial- und Organisationspädagogik, Forschung und Lehre.

 

Dr.in Beate Großegger: Zielgruppe Fußfasser: Lebensgefühl, Zukunftsperspektiven und biographische Risiken im Jungerwachsenenalter

Das Jungerwachsenenalter ist eine sehr spezielle Lebensphase. Zwischen Anfang Zwanzig und Anfang/Mitte Dreißig geht es darum, im Leben Fuß zu fassen: beruflich wie auch privat. Auf junge Menschen kommt dabei einiges zu: eine Ausbildung abschließen, den Einstieg ins Erwerbsleben meistern, einen Job finden, der den Lebensunterhalt sichert und eine Basis schafft, um sich eine solide Existenz aufzubauen. „Care Leaver“ erleben das Jungerwachsenenalter als besondere Herausforderung. Dennoch ticken sie in vielen Bereichen ganz ähnlich wie der breite Mainstream junger Menschen, die fernab der Kinder- und Jugendhilfe in so genannten „geordneten Verhältnissen“ aufwuchsen.

Beate Großegger gibt in ihrem Vortrag Einblicke in die Lebenswelten junger Erwachsener, ihr Lebensgefühl, ihre Lifestyleorientierung, ihre Hoffnungen und Ängste. Sie zeigt, wo sich die Lebensperspektiven junger „Care Leaver“ mit denen junger Menschen mit Durchschnittsbiographien berühren, aber auch, wo „Care Leaver“ im Jungerwachsenenalter mit besonderen biographischen Risiken konfrontiert sind. 

 

Dr.in Beate Großegger ist wissenschaftliche Leiterin am Institut für Jugendkulturforschung, Wien.

 

Mag.a Dr.in phil. Nicole Walzl-Seidl: Kooperative Fachlichkeit für junge Menschen im Übergang

Im Beitrag soll mit Blick auf den ausgedehnten Zeitumfang, den die Lebensphase der „jungen Erwachsenen“ oder „jungen Menschen“ ausfüllt, das breite Arbeitsfeld und die differenzierte Angebotspalette in der Sozialen Arbeit aufgezeigt werden. Die Entwicklungsaufgaben und der damit einhergehende Erziehungs- und Bildungsauftrag, dem vor allem die Handlungsfelder Offene Jugendarbeit wie auch Kinder- und Jugendhilfe nachzukommen versuchen, sollten zur Übersichtlichkeit wie auch zur gemeinsamen Nutzung der fachlichen Kompetenzen, kooperativ bearbeitet werden. Exemplarisch werden hierfür einzelne Projekte und Schnittstellen vorgestellt, erläutert und zur Diskussion gestellt.

 

Mag.a Dr.in phil. Nicole Walzl-Seidl ist Erziehungs- und Bildungswissenschafterin/Sozialpädagogin, Mitarbeiterin beim Steirischen Dachverband der Offenen Jugendarbeit, Arbeitsschwerpunkt: Qualitätsentwicklung. Sie ist Projektmitarbeiterin und Lehrbeauftragte am Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft der Karl-Franzens-Universität Graz, Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Konzeptentwicklung in der Sozialpädagogik, wirkungsorientierte und traumasensible Forschung in der Sozialen Arbeit, insbesondere Kinder- und Jugendhilfe. Sie ist außerdem Obmannstellvertreterin des Österreichischen Berufsverbands für akademische Soziale Arbeit, Schwerpunkte: Berufspolitik und Vernetzung im Bereich der Sozialen Arbeit.

 

Patrick Antal, BA MA: Lost after Transition?

Der Vortrag beleuchtet Themen rund um (junge) Erwachsene als Klient*innen der Sozialen Arbeit mit Fokus auf Graz und die Steiermark. Anhand von Beispielen wird ein Überblick über in der Praxis auffallende Gründe für Exklusion der Klientel gegeben. Am Beispiel der Wohnungslosenhilfe werden aktuelle Herausforderungen der Sozialen Arbeit mit erwachsenen Personen diskutiert, Angebote im Bereich der Erwachsenensozialarbeit vorgestellt und darüber hinaus werden Beispiele und Empfehlungen für noch besser gelingende Soziale Arbeit präsentiert.

 

Patrick Antal, BA MA, ist Sozialarbeiter. Seit 2011 ist er Streetworker bei der Mobilen Sozialarbeit des Sozialamtes Graz und aktives Mitglied im „Forum Wohnen“. Zuvor sammelte er Erfahrungen im Bereich Arbeitsmarkt(re)integration und in der allgemeinen Erwachsenensozialarbeit in Graz. Seit dem Jahr 2018 ist er als Vortragender am Studiengang Soziale Arbeit an der FH JOANNEUM in den Bereichen Wissensmanagement und Grundsicherung tätig.

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