Simon R. - Sprung ins Leben
Simon R. - Sprung ins Leben

Simon R. - Sprung ins Leben

 

 

 

Simon R. (18) weiß, wie es sich anfühlt, den Halt zu verlieren. Mit Unterstützung der Jugend- und Familienbegleitung von Jugend am Werk konnte er wieder festen Boden unter den Füßen gewinnen.

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Drei, zwo, eins - los!

 

„Auf drei springen wir raus – eins!“ Die Häuser werden immer kleiner. „Zwei!“ Simon R.s Puls pocht. „Drei!“ Er verliert den Halt unter den Füßen. 30 Sekunden freier Fall. Mit knapp 180 km/h rast er dem Boden entgegen. Plötzlich reißt es ihn nach oben, der Fallschirm geht auf und er segelt über die Landschaft. „Einfach ein unbeschreibliches Gefühl!“ Simon strahlt über das ganze Gesicht, als er von seinem ersten Fallschirmsprung schwärmt. 

 

Die Reißleine ziehen

 

Nicht nur in der Luft, auch im Leben kennt Simon das Gefühl, sich im freien Fall zu befinden. Mit 16 Jahren zog er in eine eigene Wohnung und wurde dabei von Jugend am Werk mobil betreut. Anfangs war es für ihn eine große Herausforderung, doch „zu Hause zu bleiben wäre für mich eine noch größere Belastung gewesen“, sagt er nachdenklich. Jugend am Werk begleitet Kinder, Jugendliche und Familien in schwierigen Lebenssituationen. Gemeinsam werden individuelle Lösungen und persönliche Perspektiven entwickelt. Für Jugendliche wie Simon, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr zu Hause leben können oder wollen, gibt es die Möglichkeit, in eigens angemieteten Wohnungen Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen und ihren Alltag selbstständig zu gestalten. „Mit Marias Hilfe habe ich mich dann aber schnell zurechtgefunden“, erzählt er weiter. Maria Ortlechner, Betreuerin von Jugend am Werk, hat Simon in den vergangenen Jahren begleitet. Sie unterstützte ihn dabei, Ordnung in seinen Haushalt zu bringen, seine Finanzen im Überblick zu behalten, einen Ausbildungsplatz zu finden und familiäre Schwierigkeiten zu meistern. Sie gab ihm Halt. „Wir begleiten die Jugendlichen im Erwachsenwerden“, sagt Ortlechner und fügt hinzu: „Am wichtigsten ist, dass eine Beziehung entsteht. Das ist nicht immer leicht, da viele junge Menschen schon einiges durchgemacht und Beziehungsabbrüche erlebt haben.“ 

 

Den Fallschirm öffnen

 

Simon wollte eigentlich einen technischen Beruf erlernen. Sein Traum ist es, selbstständig zu arbeiten, sich etwas eigenes aufzubauen. Mit seinen Schulnoten war es leider alles andere als einfach, einen Lehrplatz zu finden. In einem Familienbetrieb bekam er schließlich eine Stelle in der Küche. In die Kochlehre ist er „irgendwie hineingerutscht“, wie er es selbst bezeichnet. Dort habe ihn niemand anhand der schlechten Noten und seiner Schwächen beurteilt. „Was er nicht mit guten Noten vorweisen konnte, hat er in der Praxis rasch wettgemacht“, bestätigt Ortlechner. Am meisten Freude bereitete ihm das Dekorieren von kleinen Mehlspeisen und Desserts: „Das ist eine sehr filigrane Arbeit.“ Obwohl Simon nach wie vor von einer technischen Ausbildung träumt, so hat er eine Leidenschaft für seinen Beruf als Koch entwickelt. Die Lehrabschlussprüfung absolvierte er schließlich mit gutem Erfolg. 

 

Wurzeln und Flügel geben

 

Wie alle Menschen machen auch Jugendliche manchmal Fehler, treffen falsche Entscheidungen, gehen Umwege. Das sei erlaubt, meint Maria Ortlechner. Wichtig ist in diesen Momenten ein starkes Umfeld, dem die jungen Menschen vertrauen können, weiß Simon: „Wenn ich hinfalle, ist jemand da, der mich auffängt.“ Jugend am Werk hat Simon aufgefangen und, als er bereit war, wieder losgelassen: Am Ende der Betreuungszeit hat er vom Team der Jugend- und Familienbegleitung Südoststeiermark einen Tandem-Fallschirmsprung geschenkt bekommen. Einen Sprung ins Leben.