Gentrit K. - Hauptrolle im eigenen Leben
Gentrit K. - Hauptrolle im eigenen Leben

Gentrit K. - Hauptrolle im eigenen Leben

 

 

 

Menschen mit Behinderung wollen in ihrem Leben die Hauptrolle spielen. So selbstbestimmt leben, wohnen und arbeiten wie Menschen ohne Behinderung. Gentrit K. (18) bekam über das Projekt inArbeit eine Festanstellung bei Rotreat in Seiersberg. Für diesen Job entschied er sich selbst.

Drehbuch für mehr Selbstbestimmung

 

Wer will schon in seinem eigenen Leben eine Statistenrolle einnehmen? Gentrit K. jedenfalls nicht. Der 18-Jährige ist seit Kurzem bei Rotreat in Seiersberg angestellt. Ein international tätiges Unternehmen, das auf Abwasserreinigung spezialisiert ist. „Ich gehe gerne arbeiten,“ erzählt Gentrit, denn „mir gefällt meine Arbeit“. Dafür nimmt er auch eine längere Anfahrtszeit zu seinem Job in Kauf. Und startet trotzdem immer pünktlich mit seiner Arbeit. Gentrits Pünktlichkeit, Einsatzbereitschaft und sein Lernwille sind während seiner Praktikumszeit dem Chef von Rotreat positiv aufgefallen. Gentrit wurde eingestellt. Für diesen Job hat sich Gentrit selbst entschieden. Dass er in seinem Leben die Hauptrolle spielen kann, war aber alles andere als vorprogrammiert. 

 

Im falschen Film?

 

Denn bis jetzt war ein Job mit fixem Dienstvertrag und echtem Gehalt für Menschen mit Behinderung laut dem Steiermärkischen Behindertengesetz unmöglich. Sie erhalten für ihre Arbeit in Betrieben nur ein Taschengeld. Und in der Regel sind sie in eigens für sie errichteten Behindertenwerkstätten beschäftigt, fernab der realen Arbeitswelt. Nicht nur beim Thema Arbeit läuft bei Menschen mit Behinderung ein anderer Film ab als bei Menschen ohne Behinderung. Denn Menschen ohne Behinderung haben viel mehr persönliche Entscheidungsfreiheiten in ihrem Leben als Menschen mit Behinderung. Zum Beispiel die Unabhängigkeit einer eigenen Wohnung genießen? Bislang für Menschen mit Behinderung, die eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung brauchen, undenkbar. Selbst entscheiden, welche Unterstützungen man im Alltag braucht? Auch davon konnten Menschen mit Behinderung bis jetzt nur träumen. Wer sein Leben nicht nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten kann, fühlt sich, als ob er im falschen Film sitzt. Aber was braucht es, damit Menschen mit Behinderung ihr Leben in mehr Eigenregie in unserer Gesellschaft verwirklichen können? 

 

Inklusiver Trailer

 

Wie beim Gelingen eines guten Films ist es wichtig, dass viele Menschen engagiert und mit dem nötigen fachlichen Know-how gemeinsam an einem Strang ziehen. Daher hat Soziallandesrätin Doris Kampus die „Partnerschaft Inklusion“ ins Leben gerufen. Hier arbeiten FachexpertInnen aus Politik, Verwaltung und sozialen Organisationen wie Jugend am Werk gemeinsam mit Menschen mit Behinderung und ihren Vertretungen an einer inklusiven Vision: „Alle Menschen mit Behinderung sollen so leben, wohnen und arbeiten können wie Menschen ohne Behinderung“. bringt es Kampus auf den Punkt und ergänzt: „Für die Umsetzung unserer Vision haben wir alle gemeinsam viele neue Ideen entwickelt.“ Im Rahmen dieses Entwicklungsprozesses wurde Jugend am Werk 2018 vom Land Steiermark mit der Durchführung von drei neuen Pilotprojekten beauftragt. 

 

Klappe auf für "Vision in Aktion"

 

Bei jedem dieser Projekte steht ein wichtiger Lebensbereich im Mittelpunkt: Beim Projekt inArbeit suchen wir gemeinsam mit Menschen mit Behinderung Arbeitsplätze mit kollektivvertraglicher Entlohnung in Betrieben. Das Projekt quartier_1 ermöglicht Menschen mit Behinderung, die eigentlich eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung brauchen, in einer eigenen Wohnung zu leben. Die persönliche Entscheidungsfreiheit beim Wohnen und in der Freizeit steht beim Projekt Budget_plus im Fokus, das wir gemeinsam mit alpha nova ausführen. Dabei können Menschen mit Behinderung selbst entscheiden, welche Unterstützungen sie beim Wohnen und in ihrer Freizeit brauchen. Welche Vorteile Menschen mit Behinderung durch diese Projekte haben? Lesen sie HIER mehr.