Dorina G. - Die Richtung stimmt
Dorina G. - Die Richtung stimmt

Dorina G. - Die Richtung stimmt

 

 

 

Der Weg von Dorina G. (32) hielt bereits viele Abzweigungen, einige Stolpersteine, manche Irrungen und schlussendlich erfolgreiche Ziele bereit. Die Flexiblen Hilfen Deutschlandsberg begleiteten die zweifache Mama bis Herbst 2018 in diesem Prozess.

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Es kommt auf die Perspektiven an

 

Das silbergraue Blech des Opel Astra reflektiert im Sonnenlicht. Dorina G. hat ihr Auto extra für das Foto aufpoliert, verrät sie. Für manche mag es bloß ein fahrbarer Untersatz sein, für Dorina ist es ein Symbol ihres persönlichen Erfolges: „Führerschein und Autokauf waren meine großen Ziele“, erzählt sie. „Um diese zu erreichen, habe ich gelernt, nicht aufzugeben.“ Diese Mobilität ist ein weiterer Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben. 

 

Im Kreisverkehr die nächste Ausfahrt

 

Es gab Momente, da hätte sich Dorina wohl ein inneres Navigationssystem gewünscht. Eine Art Richtungsweiser, der sie durchs Leben leitet. „Ich war lange Zeit ziemlich ziellos unterwegs“, bemerkt die junge zweifache Mutter in Hinblick auf ihre teils recht turbulente Vergangenheit. Ihre beiden Kinder, das „Dirndl“ ist elf, der „Bub“ wird bald zehn Jahre alt, sind ihr ganzer Augenstern, wie sie sagt. Bei ihrem Sohn wird das Asperger-Syndrom vermutet. „Eine leichte Form von Autismus, bei der Kinder Gefühle von anderen schwer zuordnen und erkennen können.“ Diese Definition geht Dorina leicht von den Lippen, denn sie muss oft erklären, warum sich ihr Sohn in manchen Situationen anders verhält als erwartet. Durch die Diagnose sei es auch für sie einfacher geworden, mit seinen Reaktionen umzugehen. „Ich kann es jetzt besser nachvollziehen und mehr Verständnis aufbringen“, bestätigt sie. Die familiäre Verantwortung, Dorina ist alleinerziehend, hinterließ oft ein Gefühl der Überforderung. Anfangs war es schwierig für sie, Hilfe anzunehmen und jemanden von außen in ihre Familie zu lassen, erzählt Dorina: „Meine größte Angst war, dass ich meine Kinder verlieren könnte.“ Mit Renate Fagitsch und dem Team der Flexiblen Hilfen von Jugend am Werk Deutschlandsberg gelang es schließlich, diese Hürde zu überwinden. So einzigartig wie die Menschen sind auch deren Lebenssituationen und Bedürfnisse. Durch das institutionsübergreifende Angebot der Flexiblen Hilfen erhalten Kinder, Jugendliche und Familien ein individuelles Unter-stützungskonzept, um ihren Alltag schnell wieder unabhängig von professioneller Hilfe gelingend gestalten zu können. 

 

Fahrtgeschwindigkeit erreicht

 

„Ich habe einfach jemanden gebraucht, der mir einen Schubs in die richtige Richtung gibt“, bekräftigt Dorina. Trotz anfänglicher Sorge und Skepsis ist sie nun froh darüber, damals die Unterstützung von Jugend am Werk angenommen zu haben. „Wir haben gemeinsam einen Unterstützungsplan erarbeitet und Ziele formuliert“, so Renate Fagitsch, die Dorina auch zu einigen wichtigen Terminen begleitete und in herausfordernden Situationen eine wichtige Stütze für sie war. Neben Führerschein und Auto gab es auf Dorinas Zielplan noch einen weiteren Punkt auf der Liste: ein Job. Seit Ende 2018 arbeitet sie bei McDonalds als Kassiererin. „Zum Vorstellungsgespräch bin ich ganz alleine gegangen“, erzählt Dorina mit einem Hauch von Stolz in der Stimme. Der Stolz darauf, etwas aus eigener Kraft geschafft zu haben. 

 

Neues Ziel eingeben

 

Durch die Begleitung der Flexiblen Hilfen von Jugend am Werk sei Dorina „ein Knopf aufgegangen“, wie sie es selbst beschreibt. Mit dieser Unterstützung gelang es ihr, herauszufinden, welche Richtung sie einschlagen und welche Ziele sie erreichen möchte. Sie bekam eine „klare Vorstellung davon, wie sie leben möchte“, bestätigt Renate den selbstbestimmten Weg der jungen Frau. „Dorina ist viel selbstsicherer geworden und begleitet nun auch eigenverantwortlich ihre Kinder ins Leben.“ Dorinas Hände liegen fest am Steuer ihres glänzenden Wagens. Sie steigt aufs Gas und braust los. Dorina braucht kein Navi, sie weiß auch so, wohin sie fährt.